Biene, Beute, Bücherskorpion und die natürliche Selektion

Natürliche Selektion

Es gibt Studien, die eine Anpassung von Wirt und Parasit bei unbehandelten Bienenvölkern (Varroaresitenz) belegen. Es ist nur nicht klar warum es zu dieser Anpassung kommt und wer sich an wen anpasst. Es wird aber immer deutlicher, dass die Grundvoraussetzung für diese Anpassung das Zulassen der natürlichen Selektion ist. Die aktuelle Studie „Norwegian honey bees surviving Varroa destructor mite infestations by means of natural selection“ über unbehandelte Völker in Norwegen kommt ebenfalls zu diesem Schluss. Es erscheint auch logisch und entspricht dem was wir bereits aus anderen Bereichen der Natur wissen. Aus diesem Verständnis heraus wurde in jüngster Zeit das Model der darwinistischen Imkerei geboren. Ein Vorreiter in der Nicht-Behandlung und ein Verfechter und Mitbegründer dieser Ideen zur Imkerei nach Darwin ist David Heaf. In seinem Artikel über den Umgang mit Varroa gibt er einen Einblick in die Entwicklung dieser Ideen. Die genannten Studien/Texte sind unter Downloads verlinkt.

Künstliche Selektion

Es dürfte aber nicht nur am Verhindern der natürlichen Selektion liegen, dass unsere Honigbienen solche Schwierigkeiten im Umgang mit der Varroa haben. Auch die intensiv betriebene künstliche Selektion selber dürfte die Problematik verschärft haben. So liegt es auf der Hand, dass eine Zucht auf maximalen Honigertrag die Arbeitszeit der Bienen über die Maße bindet. In der Folge fehlt Zeit für wichtige der Bienengesundheit zuträgliche Arbeiten, wie das Aufbringen von Propolis und das Grooming.

Baumhöhle, die natürliche Bienenbehausung

Über das Zulassen der natürlichen Selektion hinaus, ist es sicherlich sinnvoll und hilfreich den Bienen die Eigenschaften ihrer natürlichen Behausung zu bieten. Seit sagenhaften 45 Mio Jahren leben Honigbienen in Baumhöhlen, das ist eine lange Zeit um sich an die Bedingungen dort anzupassen und Nutzen aus diesen zu ziehen. Allerdings wissen wir noch nicht besonders viel über diese Bedingungen, und je mehr wir erfahren, desto komplizierter wird es. So wissen wir von unterschiedlichen Baumhöhlen mit teils sehr unterschiedlichen Bedingungen, in denen Bienen überleben. Interessant ist es nun die Gemeinsamkeiten dieser Höhlen herauszufinden und die daraus resultierenden Eigenschaften den Bienen zur Verfügung zu stellen. Ein eigenes Projekt zur Untersuchung der Klimatischen Bedingungen in Baumhöhlen hat bereits begonnen: Tom´s Tree

Bienenhaltung mit Bücherskorpion

Eine weitere Hilfestellung können wir den Bienen durch die Ermöglichung des Zusammenlebens mit einem Symbionten bieten. Der Bücherskorpion ist zwar nicht das Allheilmittel für die Probleme der Honigbiene und der Imkerei. Doch unter für ihn günstigen Bedingungen (Verzicht auf Säuren und Chemie, gute Wärmedämmung, geringe Luftwechsel, artgerechtes Beutenklima.) kann er seinen Teil zur Bekämpfung von Parasiten beitragen. Nicht nur die Varroa Milbe steht auf seinem Speiseplan, auch die Bienenlaus, der kleine Beutenkäfer und die Wachsmotte (bzw. ihre Larven) werden liebend gerne verzehrt (siehe Videos). Die Anwesenheit von Bücherskorpionen in Bienenbeuten kann man genau genommen als Gütesiegel für ein intaktes Beutenklima und eine artgerechte Bienenhaltung verstehen.

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Als Imker und Bauingenieur befasse ich mich mit dem Bau von Bienenbeuten und ihrer Bauphysik. Auf dieser Seite stelle ich einen Teil meiner Arbeit vor. Schwerpunkte sind die Integration von Bücherskorpionen in Bienenbeuten, bauphysikalische Berechnungen zu klassischen Beuten und natürlichen Baumhöhlen, Infrarot Video Installationen in Bienenbeuten, der Aufbau von Messstationen zur Erhebung von Klimadaten aus den Bienenstöcken und die Umsetzung aller Erkenntnisse in Form neuer Beutenkostruktionen.

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