Baumhöhlen – 45 Mio Jahre Evolution haben die Biene angepasst

Die Geometrie von Baumhöhlen

Dank der Studie „The nest of the honeybee“ von T. Seeley & R. Morse von 1976 (siehe Downloads) haben wir einen guten Einblick in den Aufbau und die Form von Bienenstöcken in Baumhöhlen. Die Autoren ermitteln in der Studie folgende ein durchschnittliches Volumen von 45l und ein Verhältnis von Höhe zu Breite von 7,2.

Der Raum, der den Bienen in Baumhöhlen seit Urzeiten zur Verfügung stand, ist also deutlich höher und schlanker als der Raum, der ihnen in der modernen Imkerei geboten wird.

Baumhöhlen
Vergleich der Geometrien einer Baumhöhle mit durchschnittlichen Abmessungen und einer handelsüblichen Magazinbeute

Wärme-Isolierung der Baumhöhle

Baumhöhlen sind mit einer ganz beachtlichen Wärmedämmung ausgestattet. Die Seitenwände dürften Wandstärken im Durchschnitt von 30cm-70cm gehabt haben. Bei Annahme einer durchschnittlichen Wandstärke von 40cm ergibt sich beispielsweise bei Buchenholz ein Wärmedurchlasswiderstand von 2,670m²K/W.

QuerschnittBaum
beispielhafte Abmessungen einer Baumhöhle im Baum (Querschnitt)

Dieser Wert übertrifft die Anforderungen der WärmeschutzVO95 deutlich. Nach oben und unten ist die Baumhöhle noch besser gedämmt. Man kann also davon ausgehen, dass sich die Bienen für ihre Beuten eine ähnlich gute Wärmedämmung wünschen wie wir Menschen uns für unsere Häuser.

Sobald die Temperatur außerhalb der Beuten/Baumhöhlen unter ca. 12°C fällt wird der Flugbetrieb eingestellt. In den modernen dünnwandigen Beuten sinkt die Temperatur an den Seitenwänden und am Boden schnell auf das Niveau der Außentemperatur. In den Baumhöhlen verbleibt den Bienen aufgrund der guten Isolierung mehr Zeit bevor sie die Winterformation annehmen müssen. Es fällt ihnen leicht Temperaturen aufrecht zu erhalten, bei denen sie sich noch frei bewegen und arbeiten können. Allerdings wirkt die Masse des Baumes im Frühjahr auch noch als Kältespeicher nach, die Bienen können erst später die Wintertraube wieder verlassen. Über Vor- und Nachteile wird gerne spekuliert.

Die Gute Wärmedämmung macht das Klima im Wabenbau (nicht überall in der Baumhöhle) trockener, der Taupunkt liegt im Holz des Baumes oder an der Höhlenwand. Bei dünnwandigen Beuten liegt der Taupunkt (also der Punkt des theoretischen Kondenswasseranfalls) oft bereits im Wabenbau.

Renaissance der Zeidlerei

Erfreulicherweise gibt es zur Zeit viele Bemühungen und vielversprechende Projekte die Bienen in ihrer natürlichen Behausung zu halten. Tolle Infos rund um das Thema Klotzbeuten und Zeidlerei gibt es bei „Sabienen Imkerei„. Ich selber habe ebenfalls Zeidelbäume hergerichtet und in Betrieb genommen, die aufwendig mit Sensoren versehen wurden.