Beutenbau für artgerechte Bienenhaltung

Was ist eine artgerechte Bienenbeute?

Es herrscht weitgehend Einigkeit in der Wissenschaft, dass die westliche Honigbiene im Laufe ihrer Evolution hauptsächlich Baumhöhlen als Behausung genutzt hat und dass diese Baumhöhlen überwiegend Faul- und Spechthöhlen waren. Demnach sind die Eigenschaften, die die Honigbienen in solchen Behausungen über Millionen von Jahren vorgefunden haben, als artgerecht zu bewerten.

Eine gute Wärmedämmung ist vermutlich die wichtigste Eigenschaft solcher Baumhöhlen. Nicht alleine wegen Wärmedämmung und Hitzeschutz, sondern auch aus Gründen des Feuchteschutzes für die sensiblen Bereiche des Bienenstockes. Bei einer geringen/fehlenden äußeren Dämmung um den Wabenbau kommt es bereits im Wabenbau zu einem Kondenswasseranfall. Eine geringe Belüftung und das Feuchteverhalten von Holz sind ebenfalls charakteristische Eigenschaften und Gemeinsamkeiten solcher Baumhöhlen. Aber auch die Geometrie der Höhlen und die Lage und Form der Fluglöcher dürften eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielen.

Zum Thema Spechthöhlen und wild lebenden Honigbienen gibt es umfangreiche Informationen in dem Artikel „Ein bisher kaum beachteter Mosaikstein im Ökosystem Wald: Die wild lebende Honigbiene Apis mellifera und die Rolle von Spechten und Pilzen für ihr Überleben“ von Dipl. Biol. Sigrun Mittl.

Über die Eigenschaften der Beute hinaus spielt natürlich die Betriebsweise eine ganz entscheidende Rolle für eine artgerechte Bienenhaltung. Die radikalste und artgerechteste Betriebsweise wäre die Honigbienen in keiner Form zu behandeln, komplett in Ruhe zu lassen und keinen Honig zu entnehmen.

Umsetzung von artgerechten Bienenbeuten im Beutenbau

Die Umsetzung der Eigenschaften von Baumhöhlen stellt für den Beutenbauer eine Herausforderung dar. Die Umsetzung einer entsprechenden Wärmedämmung und die Gebundenheit an die Eigenschaften des Materials Holz bedeutet (fast) zwangsläufig ein hohes Gewicht und/oder ein großes Volumen. Für Bienenhalter, die auch im gewissen Rahmen imkern wollen, werden solche Beuten schnell zu unhandlich. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Gruibert Beute: Sie verfügt über beste Wärmedämmung und Hitzeschutz, ist aber eben für den imkerlichen Betrieb wegen ihres hohen Gewichtes und der Abmessungen schwerlich geeignet. Die Ramelli Beute ist da schon etwas einfacher in der Handhabung, bietet aber auch schon nicht mehr den gleichen Schutz (von den käuflich zu erwerbenden Beuten ist sie die Beute mit der besten Wärmedämmung und dem höchsten Hitzeschutz).

Konkret sollte eine artgerechte Bienenbeute meines Erachtens folgende Konstruktionsmerkmale aufweisen:

  • Seitenwände und Deckel mit Dämmung
  • geschlossener Boden
  • Verwendung natürlicher Materialien
  • einen Fluglochtunnel im unteren Bereich
  • ungeteilter Brutraum
  • eher schlanke Geometrie
  • Naturwabenbau, Verzicht auf Mittelwände

Eine tolle Lösung bieten die Bienenbeuten der kleinen Holzbiegerei (siehe Titelbild). Es handelt sich um Beuten mit denen man naturnah Bienen halten, bzw. auch imkern kann. Die Konstruktionen der Beuten sind geschickt und weitestgehend einwandig mit Schilfrohr ausgeführt. Hierdurch sind die Beuten sehr leicht und für den Imker gut zu händeln.

Das gewählte Schilfrohr ist im Beutenbau eine sinnvolle Alternative zu Holz. Es bietet viele der Eigenschaften von Holz und übertrifft sie teils deutlich. So ist beispielsweise die Wärmedämmwirkung von Schilf mehr als doppelt so groß wie die von Holz. Es ist etwa 5x leichter und verfügt dennoch über eine vergleichbare Stabilität. Es ist weitestgehend resistent gegen Fäulnis (im Gegensatz zu Holz), was an dem hohen natürlichen Silikatgehalt liegt. Es ist ebenso wie Holz diffusionsoffen und sorptionsfähig, was eine regulierende (dämpfende) Wirkung auf Feuchtigkeitsschwankungen innerhalb der Bienenbehausung hat. Und es ist im Gegensatz zu Holz nicht kapillar leitfähig, wodurch eine Durchfeuchtung ausgeschlossen ist.

Einzig in Sachen Hitzeschutz ist Schilfrohr gegenüber Holz im Nachteil: Einhergehend mit der geringeren Masse verfügt Schilf auch über eine deutlich geringere Wärmekapazität. Die negative Folge lässt sich aber weitestgehend durch einen geeigneten Stellplatz ausschalten: Die Beuten sollten im Schatten stehen (wie alle anderen handelsüblichen Beuten auch).

Einzelne Wände der Beuten werden mit Holz und zusätzlicher Korkdämmung ausgeführt. Diese Wände sind den Schilfwänden in Sachen Wärmedämmung nur geringfügig unterlegen. Kork ist ebenfalls ein ausgezeichneter Baustoff für den Beutenbau und kann auch gut verwendet werden um handelsübliche Magazinbeuten nachträglich zu isolieren. Durch die Verwendung von Kork erspart man sich einen doppelwandigen Aufbau, da Kork wetterfest ist.

D-Deckel

Gruibert

Tom´s Tree