D-Deckel

Stand der Forschung

Die handelsüblichen Bienenbeuten sind aus bauphysikalischer Sicht durchgehend mangelhaft. Aufgrund geringer Holzmasse und fehlender Wärmedämmung liegt eine viel zu hohe Luftfeuchtigkeit vor. Das HOBOS Team belegt mit seinen Untersuchungen die fatalen Folgen der zu hohen Luftfeuchtigkeit: Durch Kondenswasseranfall und Schimmelbildung werden die Bienen massiv mit pathogenen Keimen belastet. Mikrobiologische Untersuchungen werden diesbezüglich aktuell von Torben Schiffer in Hamburg durchgeführt.
Es liegt auf der Hand, dass diese Belastung mit pathogenen Keimen die Bienengesundheit schwer belastet. Sie ist neben all den bekannten schädlichen Einflüssen ein weiterer Nagel im Sarg der Bienen.

D-Deckel

Um die Problematik durch Kondenswasseranfall und Schimmelbildung in den kalten Monaten zu entschärfen, haben wir (Torben Schiffer, Roland Sachs) einen Deckel zur Nachrüstung von klassischen Magazinbeuten konstruiert. Durch den diffusionsoffenen Aufbau sollte die im Inneren anfallende Feuchtigkeit komplett per Diffusion durch den Deckel abgetragen werden. Der Anfall von Kondenswasser und eine Schimmelgefahr in der Beute müsste so ausgeschlossen sein.

Der Aufbau des Deckels ist denkbar einfach und besteht im Grunde nur aus einer einzigen diffusionsoffenen Schicht mit einem darüber liegenden Regenschutz. Unsere aktuellen Modelle enthalten Hanfdämmwolle. Reet, Stroh und Schafwolle (Achtung: Evtl. mit Mottenschutzmitteln belastet) sind ebenfalls möglich. Durch die am Deckel anliegenden großen  Temperaturunterschiede kann hier die komplette im Winter anfallende Feuchtigkeit durch den Deckel nach aussen diffundieren. Die Beuten können mit geschlossenem Boden und einem einzigen Flugloch ausgeführt werden, eine zusätzliche Belüftung dürfte  nicht notwendig sein.

Aktuell sind bereits solche Deckel in Betrieb und sind auch teilweise bereits mit Sensoren bestückt. Die ersten Messdaten bestätigen die Funktion grundsätzlich, erfüllen aber noch nicht unsere Anforderungen. Wir experimentieren zur Zeit mit den verschiedenen Materialien und Schichtdicken um bessere Ergebnisse zu erzielen. Zusätzlich werden wir einzelne Beuten mit einer äußeren Dämmung versehen. Hierdurch ergibt sich im Randbereich des Deckels eine höhere Temperatur und eine größere  Wasserdampfdiffusion durch den Deckel.

Diffusions Deckel
Klimatischen Bedingungen (im Winter) einer Magazinbeute mit D-Deckel

Der Regenschutz sollte so hoch über der Dämmung liegen, dass die Luft darunter ungehindert zirkulieren kann. Bei zu geringer Belüftung würde es zu einem Kondenswasseranfall unterhalb des Regenschutzes kommen. Das Wasser würde zurück tropfen und es wäre nicht viel gewonnen.

Ziel ist eine relative Luftfeuchte von 50% bis 60% in den kalten Wintermonaten innerhalb der Magazinbeute mit D-Deckel. In dieser Größenordnung ist eine Schimmelgefahr ausgeschlossen.

Kampf den Parasiten

In den warmen Sommermonaten kommen wir diesem Ziel bereits deutlich näher. Da die Bienen zusätzlich Feuchtigkeit durch ihr Belüften abbauen. Messdaten erhalten wir darüber aber erst im nächsten Sommer. Wir halten eine relative Luftfeuchte von 50-60% für realistisch. Bei dieser hohen Trockenheit können sich viele Parasiten deutlich langsamer oder gar nicht fortpflanzen. So ist z.B. bekannt, dass die Larven des kleinen Beutenkäfers bei einer relativen Luftfeuchte von unter 50% zum Austrocknen neigen (Quelle: University of Florida). Eine relative Luftfeuchtigkeit unterhalb von 34% führt zwangsläufig zum Austrocknen (Quelle: Current Zoology).
Bei der Wachsmottenlarve führen relative Luftfeuchtigkeiten unterhalb 34% ebenfalls zwangsläufig zum Austrocknen. Oberhalb dieser Luftfeuchte nimmt die Überlebensfähigkeit der Larven mit steigender Luftfeuchtigkeit zu. Je feuchter es ist, desto besser und auch schneller entwickeln sie sich. Auch die Lebenserwartung der ausgewachsenen Tiere steigt mit zunehmender relativer Luftfeuchte (Quelle: Current biotica).
Eine Luftfeuchtigkeit von 40%-50% im Bereich des Wabenbaus entspricht auch dem Klima in von Bienen bewohnten natürlichen Baumhöhlen im Sommer.

FAQ

Wird es in der Bienentraube und für die Bienenbrut nicht viel zu trocken?
Nein. Die Bienen steuern die Luftfeuchtigkeit in der Bienentraube durch Belüftung: Durch ihren eigenen Stoffwechsel erhöht sich die Luftfeuchte in der Traube. Wird sie zu hoch, beginnen sie mit einem intelligenten Belüftungssystem. Wir haben dieses Belüftungssystem bereits ausführlich hier beschrieben.

Ist diese Trockenheit denn überhaupt artgerecht?
Ja. Wir wissen, dass in Baumhöhlen durchaus relative Luftfeuchten von bis zu 40% vorliegen. Dies ist das Klima, an das sich die staatenbildende Honigbiene im Laufe von 45 Millionen Jahren angepasst hat. Relative Luftfeuchten oberhalb von 80% sind dagegen definitiv nicht artgerecht und eine Garantie für pathogene Keime.

Wie reagieren die Bienen auf Schafwolle?
Sie ziehen sie teilweise in den Brutraum rein und verheddern sich darin. Daher muss zwingend eine dünne Schicht die Schafwolle von den Bienen trennen. Beispielsweise ein Stofftuch oder eine dünne Lage Stroh. Für geeigneter halten wir inzwischen Hanfdämmwolle.

Wie lässt sich der Effekt noch erhöhen?
Beispielsweise durch eine Verringerung der Schichtdicke der Dämmung. Die Schichtdicke beeinflusst direkt proportional die Dampfdiffusionsmenge. Je dünner die Schicht gewählt wird, desto sorgfältiger muss natürlich gearbeitet werden. Luftzirkulation durch zu locker gefüllte Bereiche darf nicht stattfinden.
Eine zusätzliche Dämmung der Beute an den Seiten würde zu einer Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur unter dem Deckel und somit zu einer erhöhten Dampfdiffusion führen.

Darf man Schafwolle einfach ungeprüft in eine Beute geben?
Seit Jahrzehnten kippen die Imker auf Rat der Bieneninstitute und Chemiekonzerne allerhand Säuren und Chemikalien in die Beuten, die nie vernünftig auf ihre Unbedenklichkeit und Verträglichkeit für Bienen untersucht wurden. Die Sinnesorgane der Bienen werden massiv geschädigt und keiner guckt hin: Hauptsache der Großteil der Bienen überlebt es irgendwie. Die Frage nach der Unbedenklichkeit dieser Mittel sollte intensiv diskutiert werden.
Schafwolle ist ein natürlicher, trockener Rohstoff, der keinerlei Bestandteile/Stoffe an die Umgebung abgibt. Wir halten Schafwolle für absolut unbedenklich in den Beuten. Wir forschen aber ergebnisoffen und werden die Reaktion der Bienen untersuchen. Sollten wir wider Erwarten Auffälligkeiten feststellen, so würden wir auf andere Materialien mit ähnlichen Eigenschaften ausweichen.

 

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Diffusionsoffener Deckel zur Nachrüstung von Magazinbeuten
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Diffusionsoffener Deckel zur Nachrüstung von Magazinbeuten
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Durch die Ermöglichung der Wasserdampfdiffusion am Deckel der Magazinbeuten entsteht in der Beute ein artgerechtes trockenes Klima für Biene und Bücherskorpion. Kleiner Beutekäfer und andere Parasiten bevorzugen und benötigen hohe relative Luftfeuchten und werden so bekämpft.
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Chelifer
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