Bienenschwarm und natürliche Selektion

Der Bienenschwarm ist die natürliche Form der Fortpflanzung der Honigbiene. Das Volk teilt sich. Mai und Juni sind meist die Monate für dieses Naturschauspiel. Kurz bevor eine neue Königin schlüpft, um den bestehenden Bienenstock zu übernehmen, zieht die alte Königin mit etwa der Hälfte des Bienenvolkes und mit Honigvorräten für die nächsten Tage aus. Der Bienenschwarm sammelt sich zunächst in einer Traube in der Nähe des Bienenstockes und bleibt in der Regel auch eine Nacht an dieser Stelle. Am nächsten Vormittag/Mittag setzt sich der Schwarm in Bewegung, in Richtung der neuen Behausung. Im neuen Bienenstock wird umgehend mit dem Wabenbau begonnen. Bis zum Winter müssen der Wabenbau fertiggestellt, der Bau mit Propolis beschichtet und ausreichend Honigvorräte angelegt werden.

Bienenschwarm
Bienenschwarm (Apis Mellifera) im Obstbaum

Natürliche Selektion

Durch das Zulassen von Bienenschwärmen findet die natürliche Selektion wieder ihren Weg zurück in die Imkerei. Die Natur bestimmt welche Eigenschaften sich durchsetzen und welche nicht. Und genau das birgt langfristig die Chance einer Anpassung zwischen Wirt und Parasit. Die natürliche Selektion ist der Schlüssel für eine solche Anpassung, wie wir sie aus verschiedenen Studien kennen. „Man braucht kein rein materialistisches Evolutionskonzept zu haben, um zu akzeptieren, dass sich jeder Organismus an die Bedingungen anpassen muss, unter denen er sich befindet, oder eben ausstirbt.“ schreibt David Heaf in seinem Artikel “Dealing with Varroa: natural selection or artificial selection?” :  Der Inhalt dieses Zitats dürfte eigentlich Konsens sein und bedarf keiner weiteren Diskussion. Umso unverständlicher ist es, dass in den letzten Jahrzehnten die natürliche Selektion nahezu ausgeschaltet war und das Zulassen von Schwärmen nur am Rande stattfand. Trotz Auftauchen des aggressiven Parasiten Varroa wurde intensiv mit der künstlichen Selektion gearbeitet und die natürliche Selektion weitestgehend  verhindert.

Der Bienenschwarm als Heilprozess

Bis die ersten Brutwaben im neuen Bienenstock fertiggestellt und die erste Brut wieder gepflegt wird, gibt es eine natürliche Brutpause im frisch geschwärmten Bienenvolk. Auch im zurück gebliebenen Volk kommt es zu einer Brutpause, da die junge Königin sich zunächst auf Hochzeitsflug begeben muss. Da die Varroa Milbe sich in den Brutzellen der Bienen vermehrt, kommt es auch bei ihr zu einer Zwangspause bei der Fortpflanzung. Die brutfreie Phase wird inzwischen auch als natürliche Bekämpfung der Varroa Milbe verstanden. Durch Verfahren wie die “Komplette Brutentnahme nach Dr. Büchler” wird dies in der Imkerei erfolgreich nachgeahmt.