Aktuelles zum D-Deckel, Oktober 2017

Der D-Deckel funktioniert, aber nicht so gut wie berechnet:

Die Berechnungen für den D-Deckel beruhen auf anerkannten Berechnungsmethoden der Bauphysik. Entscheidend für die Menge an diffundierenden Wasser ist die Differenz der am Deckel anliegenden Temperaturen, die Deckeldicke und das Material des Deckels. Für die unter dem Deckel anliegende durchschnittliche Temperatur musste ich eine Annahme treffen, da mir keine Messdaten über die Temperaturverteilung unter dem Deckel vorlagen.  Mit der Annahme dieser Durchschnittstemperatur im Herbst habe ich scheinbar zu hoch gelegen. Messdaten zeigen eine höhere relative Luftfeuchte als erwartet. Die gemessenen Temperaturen unter dem Deckel sind niedriger als erwartet.

Bei einer Dadant Blatt Beute mit D-Deckel mit Hanfdämmwolle und geschlossenem Boden  habe ich aktuell eine relative Luftfeuchte von 69% mittig unter dem Deckel und 73% am Rand des Deckels gemessen. D.h. der Deckel funktioniert, die Feuchtigkeit wird über Wasserdampfdiffusion abgetragen. Die Größenordnung ist aber nicht zufriedenstellend und kann den Anfall von  Schimmel nicht ausschliessen.

Ich habe die Dämmschicht in dem Deckel nun reduziert. Zusätzlich werde ich die Beute demnächst mit einer äußeren Dämmschicht versehen. Hierdurch wird die Temperatur unter dem Deckel (vor allem in den Randbereichen) und somit auch die diffundierende Wasserdampfmenge erhöht. Abgesehen davon müssen die Bienen weniger heizen und es fällt weniger Wasser an.

Bezüglich des Füllmaterials für den D-Deckel halten wir Hanfdämmwolle inzwischen für die bessere Alternative. In der eher feuchten Umgebung hat sie scheinbar etwas günstigere Eigenschaften. Die in Bautabellen angegebenen Materialkennwerte gelten meist nur für eine trockene Umgebung. Im Beutenbau haben wir es aber mit Feuchtigkeiten oberhalb von 50% zu tun. Hier weichen die Wasserdampfdiffusionswiderstände teilweise deutlich von den angegebenen Werten ab. Wer bereits mit Schafwolle arbeitet, muss diese nun nicht wechseln. Auch die Schafwolle erfüllt ihren Zweck.

Dadant Blatt mit D-Deckel
Dadant Blatt mit D-Deckel und geschlossenem Boden

Im Laufe des Winters werden wir umfangreiche Messdaten sammeln. Die Ergebnisse werde ich hier veröffentlichen. Anfang 2018 werde ich hier auch eine kostenlose Bauanleitung für einen optimierten D-Deckel veröffentlichen.

 

 

 

 

Grooming Time

Man kann täglich mehrfach das Grooming in meinen Aufnahmen beobachten. Manchmal zeigen sich die bereits beschriebenen Putzbienen und arbeiten eine Biene nach der anderen ab. Meistens wird das Grooming aber ungeplant gestartet. Das Schütteln und die Putzbewegungen einer Biene, die sich von Pollen/Parasiten befreien will, ist scheinbar der Auslöser. Unter Videos habe ich beide Varianten bereits veröffentlicht.

Einzelne Grooming Aktionen lassen sich unabhängig von der Tageszeit beobachten. Es gibt aber auch Phasen am Tag, an denen es zu einer deutlichen Häufung des Verhaltens kommt.

In dem folgenden Video (46min) finden über 20 verschiedene Grooming Aktionen statt, teilweise gleichzeitig:

Auch in dem nächsten Video (45min) findet ständig irgendwo das Grooming statt:

Höhere Qualität der Videos im Bienenstock

Durch die Auswechslung der Infrarot Beleuchtung im Bienenstock ergibt sich eine gleichmässigere Beleuchtung und somit schärfere Bilder. Zwei neue Aufnahmen will ich hier gleich präsentieren:

Grooming: Hier versucht eine Biene sich von irgendetwas zu befreien . Immer wieder wird sie dabei von anderen Bienen unterstützt.

Hygiene: Eine Biene reinigt ausgiebig ihren Rüssel.

 

Putzbiene

Im folgendem Video ist eine Biene zu sehen, die der Reihe nach 4 andere Bienen “putzt”. Offensichtlich gibt es Bienen, die genau diese Aufgabe haben. Das Verhalten wird also scheinbar nicht nur durch die Wahrnehmung von Pollenresten oder Parasiten an anderen Bienen ausgelöst. Es gibt wohl echte “Putzbienen”.

Aktuelles zum D-Deckel, September 2017

Die Schafwolle, die in Form von Dämmmatten im Baustoffhandel angeboten wird, ist in der Regel leider mit Mottenschutzmitteln behandelt. Diese bitte nicht für den D-Deckel verwenden! Am besten unbehandelte Schafwolle direkt vom Schäfer/Bauernhof beziehen. Hanf-Dämmwolle ist ebenso diffusionsoffen und kann als Alternative verwendet werden. Die Dämmeigenschaften sind allerdings etwas schlechter.

Die Oberseite der Dämmung sollte regelmäßig auf Feuchtigkeit abgetastet werden. Ist sie nass, so muss auch die Unterseite abgetastet werden. Ist diese auch nass, so sollte die Dämmung gegen eine Holzfaserdämmplatte getauscht werden (Schichtdicke 4-6cm). Sie lässt weniger Diffusion zu. Das reduziert die Gefahr der Kondensation von Wasser auf der Oberseite der Dämmung. Die Folge ist aber eben auch eine erhöhte Luftfeuchtigkeit in der Beute und somit wieder die Gefahr von Kondensation in der Beute.

Zwischenstand 20.9.2017:
Die Schafwolle in der Dandant Blatt Beute ist auf der Oberseite etwas klamm, innen und auf der Unterseite ist sie sehr trocken. Hier läuft alles wie geplant.
In der Sachs Schiffer Beute war die Schafwolle heute morgen komplett durchnässt. Ich habe sie umgehend entfernt. Die Oberfläche des Deckels beträgt knapp 1/5 der Oberfläche einer Dadantbeute, daher gibt es hier pro cm² eine deutlich höhere Belastung. Die anfallende Feuchtigkeit wird auf der Oberseite nicht schnell genug von der Luft auf genommen, das Wasser kondensiert. Ich habe die Wolle hier durch Hanfdämmwolle ersetzt,  die Schichtdicke erhöht und den Abstand zum Regenschutz erhöht. Es kann gut sein, dass diese Massnahmen noch nicht ausreichen. Der nächste Schritt wäre gegebenenfalls ein Wechsel zu Holzfaserdämmplatten.
Mitte November werden beide Beute mit Sensoren ausgestattet, dann bekommen wir einen Einblick über die Auswirkungen auf das Beutenklima in der Praxis.

Diffusions Deckel
D-Deckel zum Nachrüsten von herkömmlichen Magazinbeuten

 

Tankbienen

Das Durchsehen der Infrarot Aufnahmen ist sehr zeitaufwendig. Auch deshalb, weil ich immer wieder spannende Verhaltensweisen entdecke, die ich noch nicht beobachtet habe. In dem folgenden Ausschnitt seht ihr die Übergabe von Honig zwischen zwei Bienen. Vielleicht ist es das von Professor Tautz beschriebene “Auftanken” einer erschöpften Heizbiene. Weitere Aufnahmen findet ihr unter Videos.

 

Bienen schlafen

Bienen schlafen mehrmals am Tag und ziehen sich hierfür teilweise auch in leere Zellen zurück. Ihr Schlaf dauert wenige Minuten bis maximal eine halbe Stunde. Im folgenden Video zieht sich eine Biene für 5min in eine Zelle zurück. “Bienen sind aber nicht nur Schlafmützen, sie sind auch ziemlich faul” ist eine wunderbare Erkenntnis aus dem Buch “Die Honigfabrik” von Jürgen Tautz und Diedrich Steen. Mir gefällt es so gut, dass ich es mit diesem kleinen Video bewerben und empfehlen möchte!

Weiter Aufnahmen von schlafenden Bienen unter Videos.

Das Reinigungsverhalten der Bienen

Ganz aktuell sind mir ein paar wunderbare IR Aufnahmen aus dem Bienenstock gelungen, die zeigen wie akribisch sich die Bienen gegenseitig absuchen. Die abgesuchte Biene wartet geduldig und hebt die Flügel an. Weitere Infos zum Grooming gibt es hier.

 

 

Wasseranfall durch Stoffwechsel der Bienen

Wir haben bislang bei unseren Berechnungen lediglich den Wasseranfall durch den im Honig enhaltenen Wasseranteil berücksichtigt (200ml Wasser pro Kg Honig). Dies ist eine in der Imkerschaft übliche Annahme, aber leider nur ein Teil der Wahrheit.

Der tatsächliche Wasseranfall durch den Stoffwechsel der Bienen geht weit darüber hinaus. Zusätzlich entsteht bei der aeroben Verstoffwechselung von Honig (die Glykolyse bzw. Dissimilation) Oxidationswasser:
C6H12O6 + 6 O2     ->    6 CO2 + 6 H2O
(Glucose + Sauerstoff   ->  Kohlenstoffdioxid und Wasser)

Hierbei fallen pro Kilo Glycose oder Fructose 600ml Oxidationswasser an. Das bedeutet, dass weitere 4,8 Liter Wasser auf 10kg Honig anfallen. Insgesamt entstehen 6,8 Liter Wasser bei der Verstoffwechseln von 10kg Honig.