Diffusionsdeckel zum Abbau der Feuchtigkeit in Magazinbeuten

Diffusionsdeckel zum Abbau der Feuchtigkeit in Magazinbeuten

Bienenbeuten mit hoher Luftfeuchte / Kondenswasser

Die handelsüblichen Bienenbeuten haben aus bauphysikalischer Sicht Schwächen. Aufgrund geringer Holzmasse, fehlender Wärmedämmung und diffusionshemmender Konstruktionen/Materialien herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit in diesen Beuten, bzw. im Wabenbau. Die mangelhafte Wärmedämmung macht sich besonders bemerkbar, da sich hierdurch der Taupunkt weit im Wabenbau befindet. Der Kondenswasseranfall im Wabenbau bedeutet eine erhöhte Gefahr von Schimmelbildung und führt zu einer Verwässerung des Honigs. Beides dürfte eine Belastung für die Bienengesundheit darstellen.

D-Deckel senkt die Feuchtigkeit in der Beute mittels Diffusion

Um die Problematik durch Kondenswasseranfall und Schimmelbildung in den kalten Monaten zu entschärfen, lässt sich nach dem Vorbild von Émile Warré ein Deckel zur Nachrüstung von klassischen Magazinbeuten fertigen.

Dieser Deckel macht aus herkömmlichen Beuten keine artgerechte Behausung. Er ist lediglich eine Möglichkeit die negativen Folgen der mangelhaften Wärmedämmung zu reduzieren. Wesentlich sinnvoller wäre eine vernünftige Aussendämmung an den Seiten und am Deckel. Dann könnte der Boden ebenfalls geschlossen ausgeführt werden und ein Diffusionsdeckel wäre nicht notwendig.

Durch den diffusionsoffenen Aufbau wird im Inneren anfallende Feuchtigkeit im oberen Bereich der Beute per Diffusion durch den Deckel abgetragen. Der Anfall von Kondenswasser und eine Schimmelgefahr im Wabenbau wird so deutlich reduziert.

Diffusionsoffener Aufbau des Deckels

Der Aufbau des Deckels ist denkbar einfach und besteht im Grunde nur aus einer einzigen diffusionsoffenen Schicht mit einem darüber liegenden Regenschutz. Als Material sind diffusionsoffene Stoffe wie Holzfaserdämmplatten, Hanfdämmwolle, Reet, Stroh oder Schafwolle (Achtung: Evtl. mit Mottenschutzmitteln belastet) möglich. Durch die am Deckel anliegenden Temperaturunterschiede kann hier die im Winter anfallende Feuchtigkeit durch den Deckel nach aussen diffundieren. Die Beuten können mit geschlossenem Boden und einem einzigen Flugloch ausgeführt werden, eine zusätzliche Belüftung ist nicht notwendig.

Aktuell sind bereits solche Deckel in Betrieb und mit Sensoren bestückt. Die Messdaten bestätigen die Funktion.

D-Deckel selber bauen

Hier eine einfache und günstige Form der Umsetzung dieses Deckels:

  • Verwendung einer Honigzarge des vorhandenen Beutensystems
  • Unterseite mit Stoff oder Gitter bespannen, so dass die Honigzarge auch danach noch bündig und ohne Lücken abschliesst; weder Stoff noch Gitter sollten bis zur Aussenseite geführt werden 😉
  • Deckel mit diffusionsoffenem Material befüllen, als grober Richtwert sollte eine Schichtdicke von 10cm gewählt werden.
  • Abstandhalter auf den Ecken der Honigzarge montieren (1-3cm).
  • Brett oder Blech auflegen, welches zu allen Seiten mindestens 10cm überkragt

Trockenheit erschwert Fortpflanzung der Parasiten

In den Monaten, in denen die Bienen ein großes Brutnest pflegen und somit eine hohe Temperatur unter dem Deckel anliegt, und auf der anderen Seite es aussen nachts noch deutlich abkühlt, kommt es zu den grössten Wasserdampftransporten. Hier liegen nun unterhalb des Deckels phasenweise Luftfeuchtigkeiten unterhalb von 30% an. Bei dieser hohen Trockenheit können sich viele Parasiten deutlich langsamer oder gar nicht fortpflanzen. So ist z.B. bekannt, dass die Larven des kleinen Beutenkäfers bei einer relativen Luftfeuchte von unter 50% zum Austrocknen neigen (Quelle: University of Florida). Eine relative Luftfeuchtigkeit unterhalb von 34% führt zwangsläufig zum Austrocknen (Quelle: Current Zoology).
Bei der Wachsmottenlarve führen relative Luftfeuchtigkeiten unterhalb 34% ebenfalls zwangsläufig zum Austrocknen. Oberhalb dieser Luftfeuchte nimmt die Überlebensfähigkeit der Larven mit steigender Luftfeuchtigkeit zu. Je feuchter es ist, desto besser und auch schneller entwickeln sie sich. Auch die Lebenserwartung der ausgewachsenen Tiere steigt mit zunehmender relativer Luftfeuchte (Quelle: Current biotica).

Die Luftfeuchtigkeit innerhalb der Bienentraube bleibt von dieser Trockenheit unberührt. Hier fällt die Feuchtigkeit an.

Klimazarge des „Beenature Project“ als Alternative zum D-Deckel

Die „Klimazarge“ ist oberhalb der diffusionsoffenen Schicht deutlich schlechter belüftet als die Deckel von Warré, und stellt somit eine Verschlechterung dar. Sie ist eher ein Feuchtepuffer, ein Abtrag von Feuchtigkeit nach außen mittels Diffusion dürfte nur temporär gelingen.

Die Klimazarge soll noch auf eine zweite Weise wirken: Warme und feuchte Luft soll langsam und stetig durch die Sägespäne nach draußen strömen und von kalter und trockener Aussenluft, die zeitgleich durch das Flugloch angesogen wird, erneuert werden. Feuchtigkeit soll also über Luftwechsel/Konvektion abgetragen werden. Würde das Vorhaben gelingen, dann würde es sich hierbei um eine Querlüftung durch den Wabenbau handeln. In der Folge käme es zu entsprechenden Wärmeverlusten. Da bleibt den Bienen nur zu wünschen, dass die Konstruktion nicht funktioniert…

Wenn man konstruktiv bei der Klimazarge für eine bessere Belüftung oberhalb der diffusionsoffenen Schicht sorgt und die Hobelspäne mit leichtem Druck „stopft“, dann ist diese Konstruktion natürlich ebenso funktional wie die hier beschriebene Variante.