Wärmedämmung von Magazinbeuten und Baumhöhlen

Anpassung der Honigbiene an das Baumhöhlenklima

Die Evolution der Honigbiene hat über viele Millionen Jahre in Baumhöhlen mit einer beachtlichen Wärmedämmung des umliegenden Holzes stattgefunden. Es ist davon auszugehen, dass sie sich auf dieses hierdurch maßgeblich geprägte Baumhöhlenklima perfekt eingestellt hat. Erst in der modernen Imkerei musste sie auf die Vorzüge einer solchen Wärmedämmung verzichten. Mit der mangelnden Wärmedämmung selbst kommt die Honigbiene erstaunlich gut zurecht, was vor allem daran liegt, dass ihr Wabenbau mit den ruhenden Luftschichten und teils mit Bienen gefüllten Wabengassen selber über eine ausgezeichnete Wärmedämmung  verfügt. Dies verleitet zu der Annahme, dass die fehlende Wärmedämmung lediglich einen erhöhten Energieaufwand für die Bienen bedeutet. Das ist ein Irrtum: Durch die fehlende äußere Wärmedämmung kommt es auch zu einer Veränderung der Feuchtigkeit im Bienenstock.

Wärmedämmung von Baumhöhlen

Das die Höhle umgebende Holz verfügt über eine ausgezeichnete Wärmedämmung. Die Baumhöhlen, die von den Honigbienen im Laufe der Evolution in den nicht bewirtschafteten Wäldern vorgefunden wurden, waren ähnlich gut isoliert wie unsere Häuser. Die Seitenwände der einzelnen Höhlen dürften durchschnittliche Wandstärken von über 30cm gehabt haben und somit Wärmedurchgangswiderstände von mindestens 2,045m²K/W. Dieser Wert erfüllt sogar die Wärmeschutzverordnung von 1995 für Neubauten von Häusern in Deutschland. Nach oben und unten sind die Höhlen noch deutlich besser gedämmt, diese Bauteile erfüllen sogar die Anforderungen an Passivhäuser. Diese gute Isolierung bringt viele Vorteile mit sich:

  • Geringere Energieverluste führen zu geringerem Honigverbrauch und somit auch zu weniger Wasseranfall in der Baumhöhle durch den Stoffwechsel der Bienen.
  • Der Taupunkt befindet sich tief im Holz des Baumes. Dort eventuell kondensierendes Wasser wird kapillar aufgenommen und im Holz verteilt. Dieses freie Wasser ist fern des Bienenstocks und kann nicht zu einer Belastung der Bienen führen, zumal die Holzwände propolisiert werden und somit ein Eindringen von freiem flüssigen Wasser nahezu ausgeschlossen ist.
  • Keine Schimmelgefahr in den unbesetzten Wabengassen, da die relative Luftfeuchte hier deutlich geringer ist.
  • Der Honig bleibt trockener, sein Wassergehalt steht im Gleichgewicht mit der relativen Luftfeuchte der umgebenden Wabengassen.
  • Vermutlich verbleibt den Bienen wertvolle Zeit für wichtige Arbeiten, sie werden erst bei wesentlich niedrigeren Außentemperaturen zur Einnahme der Winterformation gezwungen.
Skizze Querschnitt Baumhöhle
Beispielhafter Querschnitt eines Baumes mit Baumhöhle, hier mit einer durchschnittlichen Wandstärke von 40cm

Wärmedämmung von Magazinbeuten

Die Wärmedämmung der dünnwandigen Magazinbeuten ist um ein Vielfaches geringer als die von Baumhöhlen. Der Bienentraube bleibt in diesen Beuten als Wärmedämmung zu den Seiten und nach unten hauptsächlich ihr eigener Wabenbau. Erstaunlicher Weise kommen die Bienen wärmeschutztechnisch damit sogar zurecht. Einen schlechten Einfluss auf die Bienengesundheit dürfte aber die resultierende erhöhte Feuchtigkeit  haben. Die oben bei den Baumhöhlen aufgeführten Vorteile der guten Wärmedämmung ergeben logischerweise im Umkehrschluss Nachteile bei den Magazinbeuten mit einer schlechten Wärmedämmung.

Einzig der Deckel der Magazinbeuten ist halbwegs vernünftig gedämmt. Herkömmliche Deckel von Magazinbeuten bestehen in der Regel aus mehreren dünnen Schichten. Meist ist eine Holzfaserdämmplatte von 2,0cm Stärke enthalten. Die folgend abgebildete übliche Konstruktion verfügt über einen Wärmedurchlasswiderstand von 0,832m²K/W. Das ist natürlich kein Vergleich zur Decke einer Baumhöhle, aber es entspricht immerhin einer Wandstärke von etwa 8cm Buchenholz.

Herkömmlicher Deckel
Deckel herkömmlicher Magazinbeuten